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Im Laufe seiner Geschichte erfährt jeder Mensch Erschütterungen des eigenen Selbstbilds. Die ganze Menschheit tat das Gleiche in ihrer Entwicklung. Dazu kam es – wie Sigmund Freud es 1917 formulierte – zu drei „Kränkungen“ bzw. „Verletzungen“ der naiven Eigenliebe.

Die erste Kränkung ist mit der Entdeckung aus dem 16. Jahrhundert verknüpft, dass sich die Erde nicht im Mittelpunkt des Weltalls befindet. 1633 verbot die Kongregation für die Glaubenslehre per Dekret jede Sicht, in der die Beweglichkeit der Erde vertreten wird. Dass auch damals manche Jesuiten die astronomischen Entdeckungen verteidigten, bleibt eine Fußnote der Geschichte. Heute wissen wir, dass unsere Erde als Planet um die Sonne kreist, in einer Galaxie, die aus Milliarden von Sonnen besteht.

Die zweite Kränkung der Menschheit steht im Zusammenhang mit der Entdeckung des 19. Jahrhunderts, dass der Mensch aus der Tierreihe hervorgegangen ist. Papst Pius XII. hat noch 1950 die Lehre vertreten, dass alle Menschen im biologischen Sinne Nachkommen des Paares Adam und Eva seien. Erst 2015 hat Papst Franziskus in der Enzyklika „Laudato Si‘“ die biologische Evolution als selbstverständliche Grundlage unseres Weltbilds anerkannt.

Die dritte Kränkung ist die Entdeckung des Unbewussten, also jener psychischen Kräfte im Menschen, die sich der Herrschaft des bewussten Willens entziehen. Die Psychologie Freuds konfrontierte die Menschheit mit der peinlichen Einsicht, „dass das Ich nicht Herr sei in seinem eigenen Haus.“

Auf Kränkungen reagiert der Mensch in der Regel abwehrend und aggressiv – das zeigen uns die Beispiele aus der Vergangenheit. „Menschliches, Allzumenschliches…“ könnte man im Einklang mit den Religionskritikern sagen. Doch wenn ich nur auf der weltlichen, menschlichen, „allzumenschlichen“ Seite der Wirklichkeit blicke, wo bleibt dann das Göttliche?

Die Menschwerdung Gottes ermöglicht mir eine neue Perspektive, sie ermöglicht mir zu sagen: Ja, es gibt auch das Göttliche unter uns! Und es ist stärker als alle Kränkungen, dort im Stall mit Mistgeruch, mit Keimen, Bazillen und Gespött jeder Art. Eben in dieser imperfekten, erlösungsbedürftigen, am Rande der Galaxie sich befindenden Welt, zu diesem ambivalenten Wesen namens Mensch beschließt Gott zu kommen, um ihn von der Negativität zu heilen und in ihm das Göttliche zu beleben.

Ich lege Ihnen die Worte der zweiten Präfation von Weihnachten ans Herz. Es ist ein Gebet, das die Brücke vom Weihnachts- zum Ostergeheimnis schlägt: „Groß ist das Geheimnis seiner Geburt, heute ist er, der unsichtbare Gott, sichtbar als Mensch erschienen. Vor aller Zeit aus dir [Vater im Himmel] geboren, hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen. In ihm ist alles neu geschaffen. Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung, richtet auf, was darniederliegt, und ruft den verlorenen Menschen in das Reich deines Friedens.“

Mihai Vlad, Pfarrvikar


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