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Eine Stellungnahme von Dekan Eirich
Sprechenden Menschen wird geholfen, zumindest recht oft. Gefährlich wird es, wenn jemand zu der Überzeugung gelangt ist, dass er oder sie in dringenden Anliegen nicht verstanden oder von vornherein überhört wird.

In der Regel beginnt dann der stille Auszug aus einer Beziehung oder auch aus einer Gemeinschaft, wie sie die Kirche beansprucht zu sein. Daher bin ich den nach Zehntausenden zählenden Katholikinnen dankbar, die vom 11. bis 18.5. unter dem Motto „Maria 2.0“ zum Protest gegen die Nichtzulassung zu den Weiheämtern, eine Vielzahl weiterer Benachteiligungen in ihrer Kirche und die schleppende Auseinandersetzung mit dem Missbrauchsskandal aufgerufen haben. Sie verstehen ihre Streikaktionen als lautes Signal an die Vertreter der Amtskirche, sich endlich mit Konsequenz in der so genannten „Frauenfrage“ zu bewegen. Zurecht warnen sie davor, dass die katholische Kirche längst Gefahr läuft, den Anschluss an die gesellschaftliche Entwicklung zu verlieren. In unseren beiden Pfarreiengemeinschaften haben bereits in den ersten Monaten des laufenden Jahres Dutzende Frauen einen anderen Weg gewählt: den des stillen Auszugs. Auch sie senden mit diesem Abbruch aller Kontakte ein starkes, ein mich bedrückendes Signal.

„Maria 2.0“ stößt nicht bei allen Bischöfen auf Gegenliebe. Nur wenige stellen sich wie unser Bischof Franz oder der Vorsitzende der Pastoralkommission der deutschen Bischöfe, „Frauenbischof“ Bode der geballten Frauenpower im Gespräch. Sie bekommen zu hören, dass z.B. die bislang gegen die Weihe von Frauen vorgebrachten Argumente nicht mehr greifen. Gleichzeitig wird deutlich, wie wenig sich die kirchliche Öffentlichkeit in den letzten Jahren vor lauter Missbrauch und Pfarreizusammenlegungen um andere brennende Themen gekümmert hat. Besorgniserregend ist daher für mich der Widerstand, auf den „Maria 2.0“ stößt. Schimmert hier nicht die teilweise verzweifelte Sehnsucht nach einer „idealen Kirche“ durch, die es so nie gegeben hat, auch und schon gar nicht in den gerne als Referenzzeitraum genommenen 1950er Jahren? Es gibt in der Kirche keine „gute alte Zeit“, aber die Gegenwart hat allen Chancen auf eine „gute Jetztzeit“. „Maria 2.0“ ist meines Erachtens eine der wichtigsten Lebensäußerungen unserer Kirche seit langem. Hoffentlich wird den (noch!) sprechenden Frauen geholfen. Liebe Frauen, bitte schweigt auch zukünftig nicht!

Dekan Stefan-B. Eirich

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