header

Unterschriftenaktion“

884 Unterschriften für die Gleichstellung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche und den gleichberechtigten Zugang zu Diensten und Ämtern wurden bis zum Abschluss der Aktionswoche Ende September in der Pfarreiengemeinschaft Mittlerer Kahlgrund gesammelt - beim Familientag in Mömbris, nach den Sonntagsgottesdiensten in allen Orten und an einem Samstagvormittag. Ganz schön viele Unterschriften!

Dabei fiel auf:

- Männer und Frauen waren gleichermaßen ansprechbar. Die Gleichstellung ist kein „Frauenthema“, sondern ein „Kirchenthema“, an dem sich die Glaubwürdigkeit der Kirche für Männer wie für Frauen zeigt.

- Einige haben nicht unterschrieben, weil sie keine Hoffnung mehr haben, dass die Kirche noch in der Lage ist, sich weiterzuentwickeln. Traurig!

- Einige haben nicht unterschrieben, weil sie sich nicht als der Kirche zugehörig fühlen und sich nicht dafür interessieren.

- Natürlich gab es auch einige - tatsächlich insgesamt wenige, die an der jetzigen Praxis festhalten wollen und eine Gleichstellung von Frauen ablehnen. Dabei handelte es sich vor allem um ältere Frauen (!).

- Grundsätzlich ist das auch kein Generationenthema: Es gab sehr viel Unterstützung und gute Worte gerade auch von älteren Menschen.

Die ersten Christinnen: Frauen im Neuen Testament“

Viele interessierte Frauen und Männer lauschten am letzten Septemberdonnerstag konzentriert Dr. Agnes Rosenhauer, Exegetin und Bildungsreferentin in Schmerlenbach. Sie nahm die Zuhörer*innen mit auf eine sehr aufschlussreiche Spurensuche durch die Schriften des Neuen Testamentes.

Sie zeigte uns die biblisch festgehaltene Gruppe der Anhänger und Anhängerinnen Jesu: Männer und Frauen zogen gemeinsam mit Jesus durch das Land. Von einigen Frauen heißt es: „Sie dienten mit ihren Gütern“, finanzierten also die Jesusbewegung.

In allen synoptischen Evangelien finden sich Namenslisten von Frauen, die Jesus folgten. Sie blieben standhaft in seiner Nähe bei der Kreuzigung und waren die ersten Zeugen seiner Auferstehung. Besonders herausgehoben ist Maria, die nicht über familiäre Beziehungen definiert wird, sondern durch ihren Herkunftsort: aus Magdala.

Frau Dr. Rosenhauer ging auf die Rolle der Frauen in der Missions- strategie und Praxis des Paulus ein, dessen Briefe die ältesten Schriften des Neuen Testamentes sind und in denen zahlreiche Frauen namentlich genannt werden. Sie hatten tragende, wahrscheinlich leitende Rollen bei der Gründung und im Leben der jungen christlichen Gemeinden. Paulus bezeichnete Junia und Priszilla als Apostelinnen und Phöbe war Diakonin in Kenchräa.

Im Markusevangelium können wir die paarweise Berufung von Eheleuten nachlesen.

Und in der Apostelgeschichte ist die gemeinsame Missionsarbeit von Ehepaaren in den frühchristlichen Gemeinden ausdrücklich festgehalten (wie auch in den Paulusbriefen).

Die Purpurhändlerin Lydia aus Thiatyra ist die erste europäische Christin, die sich mit „ihrem ganzen Haus“ der neuen christlichen Bewegung anschloss.

Im Übrigen: Der Ausschluss bestimmter Tätigkeiten von Frauen in den (in nachpaulinischen Textpassagen eingefügt) bekräftigt, dass diese ursprünglich in den jungen Gemeinden üblich war.

Dass in unserer Kirche die geistliche und auch rechtliche Leitung der Gemeinde, sowie ihre Vertretung nach außen ausschließlich Männern vorbehalten ist und Frauen nicht (mehr) zum geistlichen Amt zugelassen werden, hat also keine handfesten biblischen Gründe.

Wie geht es weiter?

Unterschriftenlisten liegen noch bis Weihnachten in den Pfarrbüros aus. Dann werden diese an die katholische Frauengemeinschaft Deutschlands geschickt. Vertreterinnen werden diese der Deutschen Bischofskonferenz übergeben.

Die Fahne mit dem purpurfarbenen Kreuz soll wehen

Um das Anliegen weiter im Bewusstsein zu halten und deutlich zu machen, dass viele sich nicht mit der jetzigen Situation abfinden wollen, wird im Pfarrgemeinderat beantragt, dass im kommenden Kirchenjahr bei Festen von Kirchenlehrerinnen und anderen Frauen, die eine besondere Verantwortung getragen haben, die Fahne mit dem purpurfarbenen Kreuz an der Kirche St. Cyriakus in Mömbris weht.

 

Gottesdienste vor der Kirche

 

Frauen, die die Aktionswoche in der Pfarreiengemeinschaft mit vorbereitet haben, engagieren sich weiter:

„Um die Präsenz und Stärke der Frauen zu demonstrieren wollen wir nach dem Vorbild der Schweiz am 22. jeden Monats eine Wortgottesfeier „Draußen“ - vor der Kirchentür halten. Der 22.7. - der Beginn dieser Aktion in der Schweiz - ist der Gedenktag der 1. Apostelin Maria Magdalena.

Der nächste Termin ist am

  1. November um 18 Uhr und findet in Gunzenbach am Fuß der Treppe zur Kirche statt.

Kommen Sie und bringen Sie viele Frauen mit!“

Pastoralreferentin Stefanie Krömker, Erika Ullrich, Monika Hornung

­