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Liebe …. ?

… Leserinnen und Leser - oder - katholische Christinnen und Christen im Mittleren und Oberen Kahlgrund - oder - Mitchristen - oder - Schwestern und Brüder - oder - liebe Gemeinde?

Nicht nur diesmal, da ich mich letztmalig als leitender Pfarrer im Vorwort zu unserem Pfarrbrief an Sie wende, stocke ich beim Schreiben der Anrede. Schließlich geht es darum, Ihnen Verbundenheit und Wertschätzung zu signalisieren.

Stichwort „Verbundenheit“:

Gerne hätte ich in den vergangenen drei Jahren mehr Präsenz in Ihren Kirchgemeinden gezeigt. Verbundenheit ist und bleibt ein ebenso hohler wie lebensferner Begriff, wenn er nicht unentwegt mit der Wirklichkeit greifbaren Da- und Mitdabeiseins gefüllt wird.

Schon kurz nach der Amtseinführung hat sich in meinem Kalender eine Hierarchie von „brennend dringenden“ Terminen, über wichtige Absprachen hin zu „was sonst noch geht“ ausgeformt. Als Notnagel für Begegnungen sollte die Zeit nach dem zweiten Gottesdienst an den Sonntagen dienen. Aber auch da fehlte mir nicht selten genauso wie vielen der Mitfeiernden angesichts des nahenden Mittags die nötige Muße. Umso dankbarer bin ich meinen beiden Koordinierenden Leiterinnen, Frau Roth und Frau Krömker. Diese haben sich zu den eigentlichen Kontaktpersonen in den beiden Pfarreiengemeinschaften entwickelt und garantieren nicht

zuletzt aufgrund ihrer guten Erreichbarkeit und Präsenz in vielen Bereichen der Seelsorge die Ansprech- barkeit, die Sie noch vor zehn, zwanzig Jahren mit dem sprichwörtlichen „Pfarrer im Dorf“ in Verbindung gebracht haben. Gleiches gilt für Abbé Matthieu, Pfarrvikar Vlad, die beiden Diakone Glaser und Friebel sowie Johannes Dürig und Lukas Greubel.

Apropos Pfarrer: nach wie vor ist unklar, woher dieser Begriff stammt. Ich stimme der Deutung zu, die das Wort vom griechischen Begriff für „fremd“ bzw. „Fremder“ ableitet. In der Antike war damit derjenige gemeint, der in einem Gemeinwesen gelebt und sich für dieses sogar engagiert hat, dies aber ohne Bürgerrecht. Für mich bleibt als schmerzhafte Frage, die sich angesichts der Pfarreiengemeinschaften und der geplanten „pastoralen Räume“ aufdrängt, ob es für einen Pfarrer überhaupt noch ein wirkliches Dazugehören geben kann. Eine andere Interpretation der Herkunft des Wortes Pfarrers bezieht sich auf das griechische Wort für „zwischen den Häusern“ (lebend). Heute müsste es heißen, „zwischen den Gemeinden lebend“.

Stichwort „Wertschätzung“.

Wenn es nicht so sperrig und abgehoben klänge, würde ich Sie in jeder Predigt und jedem allgemeinen Schreiben am liebsten mit „liebe Experten und Expertinnen“ ansprechen. Denn nichts anderes waren und sind Sie alle miteinander: Fachleute für den gelebten Glauben in Ihrer jeweiligen Kirchgemeinde. Zusammen mit meinem Team durfte ich in den vergangenen drei Jahren von Ihrem Kenntnisreichtum profitieren. Ich freue mich über jede Möglichkeit, wo wir Sie in der Praxis gelebten Glaubens unterstützen, ja von Ihnen lernen konnten. Ich habe dabei eine immense Bandbreite an Begabungen und Charismen vor Ort erleben dürfen, die aufzuzählen den Rahmen eines Vorwortes endgültig sprengen würden. Sie reichen sprichwörtlich von der Wiege bis zur Bahre, von faszinierender Expertise in Bildung, Finanzen und Organisation bis hin zu sehr intensiven Formen beschaulicher Spiritualität und hochwirksamer caritativer Hilfe ohne viel Aufhebens.

Die Expertise und ihr immenses Engagement weisen den so genannten „Laien“ für den Fortbestand der katholischen Kirche in unserem Land die entscheidende Rolle zu. Diese noch umfassender und gezielter fördern zu können, motiviert mich für den Wechsel als Präses in den Bundesvorstand der Katholischen Arbeitnehmerbewegung. Ich werde endgültig ab Anfang Januar wie schon einmal in meiner Berufslaufbahn mein Leben erneut „in vollen Zügen“ genießen und „heute hier, morgen dort“ singen. So sehr diese Art von Engagement an den Brennpunkten kirchlichen und insbesondere verbandlichen Lebens meinem geistlichen Lebensgefühl entspricht, so sehr bin ich dankbar für jeden Ort, wo ich so etwas Heimat habe finden dürfen.

Daher schließe ich aus ganzem Herzen mit der Anrede „Liebe Kahlgründer“, seien und bleiben Sie bitte weiterhin das, was Sie schon längst sind, ein bemerkenswerter Menschenschlag und ein ganz besonderer Teil des Leibes Christi.

Ihr scheidender Pfarrer

Stefan-B. Eirich

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