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eine von Bischof Franz gestellte Frage – Vielleicht regt Sie diese provozierende Frage dazu an, (wieder) einmal über Ihre persönlichen Erfahrungen mit der Kirche in Ihrem Geburts- bzw. Wohnort nachzudenken.

Liebe Leserinnen und Leser,

diese lapidare Frage stammt nicht aus dem Mund eines Religionskritikers oder eines von der katholischen Glaubensgemeinschaft zutiefst frustrierten Menschen. Es ist unser Bischof Franz Jung höchstpersönlich, der das wissen will. Eine Antwort erhofft er sich unter anderem von den Seelsorgern und Laienvertretern des Dekanats, die er am 15. Mai in Krombach um sich versammeln wird.

„Wozu …?“ „Ja, das frag ich mich auch!“ Normalerweise kommt diese Erwiderung, wenn jemand eine ebenso berechtigte wie möglicherweise dann doch überflüssige Frage stellt. Denn eine plausible Antwort scheint es nicht zu geben. Doch in diesem einen speziellen Fall wäre es gar nicht so schlecht, wenn ganz viele von Ihnen sich - in einem guten Sinn! - tatsächlich fragen würden, „wozu es hier Kirche braucht“. Bitte schauen und hören Sie genau hin: es geht nicht um den allgemeinen Sinn und Zweck der Kirche, sondern um deren Existenzberechtigung vor Ort.

Vielleicht regt Sie diese provozierende Frage dazu an, (wieder) einmal über Ihre persönlichen Erfahrungen mit der Kirche in Ihrem Geburts- bzw. Wohnort nachzudenken. Was haben Sie im Lauf der Jahre und Jahrzehnte an Bereicherndem erleben dürfen, was hat Sie belastet oder geärgert? Wie sähe Ihr Leben ohne das Vorhandensein einer kirchlichen Gemeinschaft vor Ort aus?

Natürlich hebt die Frage des Bischofs auch und vor allem auf den gemeinschaftlichen Aspekt ab. Schon ganz schlichte Zahlen können hier Nachdenklichkeit auslösen: Wie groß ist die katholische Gemeinde in meinem Wohnort? In Kahl liegt der Anteil der Katholiken an den knapp 8.000 Einwohnern mittlerweile knapp unter 50%. In Mömbris sind es 75% von 11.500, in Krombach 70% von 2100 Bürgern. Auffällig ist bei allen drei Beispielen, dass die Anzahl der Kirchenmitglieder gegen den allgemeinen Wachstumstrend der letzten 30 Jahre um 10 bis 12% geschrumpft ist. Wozu braucht es Kirche, wenn zu ihr vor Ort bald „nur noch“ die Hälfte der Einwohner gehört? Welche Chancen sind damit verbunden?

Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass es hier in den beiden Pfarreiengemeinschaften unabhängig von Wachstum oder Schwund die Kirche deshalb braucht, weil sie unterschiedlichste Personen zusammenbringt, die den Kern der christlichen Botschaft leben wollen: die unerschütterbare Liebe Gottes zu den Menschen. Das prägt diese Gemeinschaft, die dann ihrerseits aus Glauben Zuwendung und Engagement für ihre Mitmenschen praktiziert.

Noch einmal: Welchen Sinn macht es, dass es die Kirche in Ihrem Wohnort gibt? Bitte stellen Sie einmal diese Frage in Ihren Gesprächen und diskutieren Sie auch mit Ihren Seelsorgern darüber. Ich freue mich auf einen lebhaften Austausch!

Ihr Dekan Stefan-B. Eirich

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