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Osterbrauch, Eierpecken mit dem Spruch: „Christos a înviat!” und „Adevărat a înviat”

Liebe Schwestern und Brüder,

Ich möchte Ihnen von einer Freundin seit Kindergartentagen erzählen. Sie heißt Sabina, kommt wie ich aus Rumänien und arbeitet seit vielen Jahren als Stickerin in Oberfranken. Wir hatten in unserer Heimat weder Religionsunterricht, noch feierliche Erstkommunion, noch Firmunterricht. Beide sind wir im Kommunismus aufgewachsen. Wenn Ostern war, haben wir rot gefärbte Eier aneinander gestoßen („Eierpecken“). Jeder von uns nahm ein Osterei in die Hand, einer sagte: „Christus ist auferstanden!“ und stieß mit der Spitze gegen das Ei des anderen. Der andere sagte: „Er ist wahrhaft auferstanden.“ Wenn das Ei eingedrückt war, drehte man es und die Prozedur ging von vorne los: „Christus ist auferstanden…er ist wahrhaft auferstanden“. Sabina hat jetzt in Oberfranken einen rumänischen Arbeitskollegen. Letztes Jahr in der Osterzeit haben beide in einer Pause Eier gestoßen, mit den entsprechenden Ausrufen. Als andere Angestellte die seltsamen Sprüche („Christos a înviat!” und „Adevărat a înviat”) hörten, fragten sie nach der Bedeutung. Beide antworteten spontan: „Das versteht ihr nicht.”

Wenn wir die Leidensgeschichte Jesu aus dem Johannesevangelium hören, begegnen wir immer wieder dem Thema des Suchens und des Findens. Jesus stellt den Soldaten, die ihn verhaften wollen, seine Lieblingsfrage: „Was sucht ihr?“ Er bekommt die richtige, zugleich aber unerleuchtete Antwort: „Jesus von Nazaret“. Die Söldner demaskieren sich als Menschen, die nicht wirklich auf der Suche nach dem Sinn, nach der Wahrheit und nach der Schönheit des Lebens sind. Ein paar Verse weiter fragt sich ein hilfloser Pontius Pilatus: „Was ist Wahrheit?“ Klüger als die Soldaten, ist Pilatus dennoch unfähig, sich auf die Wahrheit einzulassen, die ihm gegenübersteht. Er philosophiert, drückt sich vor der persönlichen Auseinandersetzung mit der Wahrheit und bleibt sich selbst verhaftet, unfähig zur Beziehung mit Jesus. Schließlich wäscht er sich die Hände in Unschuld.

Viel beschäftigte Söldner und hoch gebildete Statthalter gibt es nach wie vor. Lassen wir uns nicht von ihnen den Blick versperren.

Auch Maria von Magdala bekommt die Frage gestellt: „Frau, warum weinst du? Was suchst du?“ Sie hat die Bereitschaft und die Offenheit, das Unglaubliche zu glauben und zu erfahren.

Mögen wir glauben und sagen können: „Christus ist auferstanden! ...Er ist wahrhaft auferstanden.“

Frohe Ostern!

Mihai Vlad, Pfarrvikar

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